Heimatverein
Gräfenhausen-Schneppenhausen e.V.
Geschichten + Stadtwappen

Auf dieser Seite:

Brauchtum (Konfirmation)

Erzähltes zum Leben in Gräfenhausen und Schneppenhausen (Über die Kerb)

Die Wappen der einzelnen Weiterstädter Stadtteile und der Stadt Weiterstadt






Brauchtum zur Konfirmation


In den kommenden Wochen finden wieder in den Kirchengemeinden die Konfirmationen statt. Dazu gibt es in einigen Gemeinden einen schönen Brauch: ein Kranz, mehr oder weniger geschmückt, ähnlich einem Adventskranz, wird an der Hauswand des Konfirmanden angebracht.

 














Durch Zeitzeugen belegt ist dieser Brauch mindestens aus den 1930er Jahren. Heimatforscher Hans Schmidt aus Erzhausen hat dazu folgende Erklärung: Damals soll es in unserer Gegend eine starke Freidenkerbewegung gegeben haben. Deren Kinder wurden nicht konfirmiert, sondern erhielten eine Jugendweihe. Im Gegensatz dazu zeigten die Christen, deren Kinder konfirmiert wurden, ihr öffentliches Bekenntnis zur Kirche, indem sie einen grünen Kranz an die Hauswand hängten. Der grüne Kranz hat sich bis heute in Erzhausen, Gräfenhausen und Schneppenhausen erhalten.






Über die Kerb



Das Fest der vorchristlichen Tag- und Nachtgleiche wurde in das Kirchenjahr eingebunden und wurde zur heutigen Kerb. Auch heute noch wird die Kerb vielerorts in gleicher oder ähnlicher Weise gefeiert. Natürlich wurde sie auch an die heutige Zeit angepasst, so dass altes Brauchtum verschwindet und dafür Neues dazukommt.

Das Kirchweihfest ist aber auch der Abschluss des bäuerlichen Wirtschaftsjahres, ein buntes Jahrmarktstreiben ist damit verbunden. Es ist darüber hinaus ein großer Heiratsmarkt.

 


 

 

 


Wie die Kerb in Gräfenhausen und Schneppenhausen gefeiert wurde:

(Auszüge aus der Gräfenhäuser Chronik und Aufzeichnungen von Lehrer Egelhof)

Die Gräfenhäuser Kerb wird durch den Michaelstag (29. September) festgesetzt. Sie findet am ersten Sonntag nach Michaelis bzw. am Michaelstag statt, wenn dieser auf einen Sonntag fällt. Das ist im allgemeinen der erste Sonntag im Oktober. Die Schneppenhäuser Kerb wird am ersten Sonntag im September gefeiert. 

Schon um 1880 wurde die Kerb in zwei, später in drei Wirtschaften gehalten. Von diesen Wirtschaften fanden durch die Kerweburschen Umzüge statt. Erst später (nach 1900) wird der Anführer oder Sprecher Kerwevadder genannt. Er ist derjenige, der nach dem Umzug vom Pferd herab den Kerwespruch sagt, in dem die Dorfereignisse in Mundartversen durchgehechelt werden. Die einzelnen Verse werden abgeschlossen mit den Worten 

»Kamerad, schenk ein, ein Gläschen Wein, es muss einmal getrunken sein«.

Mit diesen Umzügen begann der Betrieb am Sonntagnachmittag zwischen 13 und 14 Uhr. Viele Neugierige standen in den Straßen und versammelten sich anschließend vor einem der Tanzlokale, um die Kerweredd anzuhören. Nach Schilderung der Ereignisse spielte die Musik ein bekanntes Lied, das passend und treffend ausgesucht war.

Der Umzug hatte folgende Ordnung: Vor dem Zug ein oder zwei Gassenkehrer, die wie an Fastnacht gekleidet waren und mit langen Reiserbesen bewaffnet waren. Sie hatten rote und weiße Hosen an und eine Zipfelmütze auf. Außer diesen beiden umsprangen noch mehrere junge Burschen in Verkleidung den Umzug. Sie wurden vor 1900 Kerwehämmel genannt. Sie schlugen mit luftgefüllten Schweinsblasen um sich. Dahinter schwenkte ein Fahnenträger eine rotweiße Fahne. Er hatte weiße Hosen an und eine Schärpe über der Brust. Vor der Musik zu Fuß folgten der Kerwevadder und zwei Begleiter zu Pferd. Die Reiter waren in weißen Hosen, Frack und Zylinder und hatten ebenfalls Schärpen um. Den Tross des Zuges hinter der Musik bildeten die Kerweburschen, ganz früher zu Fuß, später auf Wagen. Sie hatten Wein bei sich und boten davon Bekannten an. Ab und zu wurden auf den Wagen irgendwelche Dorfereignisse dargestellt.

Nach dem Umzug durch die Ortsstraßen und dem Kerwespruch folgte der Tanz, der erste für die Kerweburschen und Solotanz des Anführers. Der Ruf »Wem ist die Kerb?« und die Antwort »Unser« ertönte von nun an zwei Tage lang. An Tänzen waren früher bekannt: Walzer, Schottisch, Rheinländer, Polka, Dreher, Kissentanz und »Herr Schmidt«, der Schnicker und »Ei so geht doch«. Am Abend besuchten sich die Kerweburschen gegenseitig in den Tanzlokalen. Sie hatten alle bunte Mützen auf und Schärpen an und erhielten in der besuchten Wirtschaft einen Extratanz.

Samstags vor der Kirchweih wurde der Kerwemai, eine Kiefer, jedoch Tanne genannt, im Wald des Wirtes oder der Gemeinde geholt und abends vor der Wirtschaft aufgestellt. Er hatte an der Spitze einen Kranz mit Bändern. Vor dem Jahr 1900 wurde der Baum geschält und rot-weiß angestrichen. Außer diesem Zeichen gab es noch einen besonders schönen Kerwekranz, der an diesem Abend in ein Haus am Ortsende gebracht wurde. Dieser Kranz wurde während des Umzugs abgeholt und dann in der Wirtschaft aufgehängt. Die Kerweburschen begannen dann mit dem Antrinken der Kerb.

Der Montagmorgen begann mit dem Frühschoppen unter Beteiligung der Musik. Es folgten das sogenannte Gickelschlagen und Schubkarrenrennen, später das Dippeschlagen. Anschließend Umzug und Einkehr in den Wirtschaften. Am Nachmittag wurde wieder getanzt. Zwischen 1870 und 1880 war es üblich, dass die Kerweburschen vor der Wirtschaft saßen und »Quellkartoffeln und Schmierkäs« aßen. Dabei wurde allerlei Unfug getrieben.


Kerb in der Nachkriegszeit:


Die Kerbburschen haben die Kerb in Form einer Flasche Wein ausgegraben. Die haben sie dann gleich aufgemacht und getrunken. Dann haben sie gerufen: "Die Gräwwehäuser Kerb is do."

Nur die Kerbburschen waren dabei. Für die Mädchen wär' das eine Schande gewesen, wenn sie dabei gewesen wären! Der Kerbbaum wurde auch aufgestellt. Es gab auch einen Kerbvadder, der die Kerbredd hielt. Beim Löwert war nach dem Krieg ein Kerbvater, beim Bäcker (Gastwirtschaft Darmstädter Hof) auch. Die zwei Kerbereden wurden im zeitlichen Abstand gehalten, damit man alles mitbekam. Was der eine nicht wusste, das hat der andere gebracht. Das ganze Dorf hörte zu.

Wer wurde Kerbbursch? Zum Beispiel wurden sie von der Löwerts Kätha angesprochen. Die hat denen schon vorher Apfelwein für nichts zu trinken gegeben und hat gesagt: "Macht bei uns Kerbbursch." Ein bestimmter Jahrgang war es nicht.

Nach der Rede ging es in den Saal, der Kerwevadder eröffnete den Tanz, alle standen rundum und klatschten dazu, bis er sagte: "Alles tanzt", erst tanzten die Kerwebursch und dann die anderen.


Kerwekuchen: wir hatten mal zehn große Blechkuchen gebacken, die waren am ersten Kerwetag alle, soviel Besuch hatten wir! Da haben wir noch mal gebacken. Von rundum kam die ganze Verwandschaft und Bekanntschaft. Da hat sich alles getroffen. Auch selber ging man noch überall auf die Kerb, nach Weiterstadt, Wixhausen, Schneppenhausen, wo Bekannte und Verwandte waren, ging man zum Kaffeetrinken hin. Die haben auch damit gerechnet.

Neue Kleider, das "Kerbkleid" gab es für die Mädchen. Auf der Hauptstraße (Langgasse) ging man auf und ab, man sah und wurde gesehen. Das war was, nach dem Krieg ein neues Kleid! Man ging auch auf den Kerbplatz, es gab Karussells, Eis, Buden, die Lose verkauften, Kettenkarussell, später kamen andere Sachen. Für die Kinder gab es Kerbgeld, vom Petter und Godhe, von Oma und Opa oder der Verwandschaft, die zu Besuch kam. Es gab mal 50 Pfennig oder eine Mark. Der Kerbplatz war früher auf dem Postplatz, noch früher auf dem Kirchplatz, auch schon mal im Schulhof.

Beim Kerbumzug sind der Kerbvater und zwei Begleiter auf Pferden geritten. Montags sammelten die Kerwebursch Eier. Die haben sie dann gemeinsam verzehrt.

Nach der Nachkerb (4 Wochen später) wurde die Kerb begraben. Es wurde eine Trauerrede gehalten, und die Burschen haben alle geheult...

 

Kerb in den fünfziger Jahren in Gräfenhausen:


"Kerb ist nur einmal im Jahr", sagen die Gräfenhäuser, "und deshalb muss sie zünftig gefeiert werden."

Vor dem großen Ereignis stecken die Kerbeburschen vom Löwen und die vom Darmstädter Hof eifrig die Köpfe zusammen von wegen des Kerbeumzugs, und die Kerbeväter lernen ihre Reden auswendig, dass sie die Lacher auf ihre Seite bekommen. Die Frauen haben auch ihre Sorgen und halten trotz drohender Kartoffelernte ihren Hausputz, so dass Katzen, Kinder und Hunde sich aus dem Staube machen.

Schweine und Kälber, kaum dass sie sich in den Schlachthäusern haben sehen lassen, landen sie schon an den Fleischhaken oder in der Wursthaut. Schwer haben es die Familienväter: ihr Geldbeutel wird dünn und dünner, bis wieder einmal alles da ist, was zu einer richtigen Kerb gehört, nämlich die Koteletts, der Riwwelkuchen, die Kaffeebohnen, die Weißbrote, die Bratwürste, das Sauerkraut, der Braten, der Wein und noch so vieles andere.

Man lässt sich nicht lumpen, wenn der Besuch kommt, und das Dorf hält was auf sich, dass die Umgegend erscheint und besonders auch die Stadtleute. Mit dem Rad ist es doch nicht so weit, und der "Kurze Heiner" mit seinen Omnibussen ist jedem Ansturm gewachsen, genau wie die Gräfenhäuser Wirte!

Zum Tanz aufgespielt wird im Darmstädter Hof und beim Löwenwirt, aber gibt es noch die verschiedenen Schanklokale: den Ochsen, die Krone, den Lindenhof, das Weiße Rössel, den Kühlen Grund und die Schloßschänke.

In den 1960er und 1970er Jahren...
wurde die Kerb an Bedeutung von der Spargelkerb abgelöst.


In der jetzigen Zeit...

hat sich das wieder geändert. Die Gräfenhäuser und Schneppenhäuser lassen es sich nicht nehmen, ihrem Fest die Ehre zu geben und es ausgiebig zu feiern. Die alten Bräuche, wie das Kerwebaum aufstellen, die Kerweredd, der Umzug, der Tanz und nicht zu vergessen der Frühschoppen werden mit großer Mitwirkung der Bevölkerung weitergeführt. Nach einer über 20-jährigen, schöpferischen Pause belebten im Jahre 1988 einige mutige Burschen die Kerb neu. Seitdem wird wieder an jedem ersten Sonntag nach oder am Michaelistag (29.09.) Kerb gefeiert. Diesen Jungs um den ersten Kerwevadder der "Neuzeit", Jürgen Koch, ist es zu verdanken, dass die Kerb da steht, wo sie heute ist. Sie ist weit über unsere Ortsgrenze hinaus bekannt, beliebt und sucht ihresgleichen. Sonntagmorgens gehen die Kerweburschen zum Festgottesdienst in die Kirche und dienstags ist auf dem Festplatz Kindertag, wobei die Kerbburschen freigiebig mit Freifahrten und Süßigkeiten für die Kinder sind.

zusammengestellt von Karin Klingler

 


 



Wappen der einzelnen Weiterstädter Stadtteile

Die aus dem 17. Jahrhundert überlieferten Gerichtssiegel sind in die heutigen Gemeindewappen eingegangen.

Weitere Informationen siehe auch "Chronik der Gemeinde Weiterstadt", erhältlich bei der Stadtverwaltung und ihren Zweigstellen sowie beim Heimatverein Gräfenhausen/Schneppenhausen.


Braunshardt - erste urkundliche Erwähnung am 26.08.1318

Die Grafen von Katzenelnbogen teilten damals ihren Besitz am Wald "Brunishardt".
Das Wappen sieht aus wie eine liegende Mondsichel mit Kreuz. Weil es damals in Braunshardt noch keine Kirche gab, wird vermutet, dass es sich um eine "Wolfsangel" handelt. Ein Gerät, mit dem man früher Wölfe fing.

Gräfenhausen - wurde zum erstenmal erwähnt im Güterbuch (Oculus Memoriae) des Klosters Eberbach im Rheingau von 1211:

„Dragebodo von Dornberg hat uns, als er zu uns ins Kloster eintrat, zwei eigene Mansen (= Hufen) in Weiterstadt und eine Manse in Gräfenhausen übertragen.“

Der Hund im Wappen von Gräfenhausen erinnert an die Reichsvogtei der Herren von Hagen im Wildbann Dreieich. Diese mussten für die Jagdherren immer eine Hundekoppel bereit halten.

Riedbahn - der jüngste Stadtteil von Weiterstadt

entwickelte sich in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts und wurde am 26. Mai 1983 vom Regierungspräsidenten in Darmstadt als eigener Ortsteil von Weiterstadt benannt. Das inoffizielle Wappen ist noch ein paar Jahre jünger. Es enthält den Ring aus dem Weiterstädter Ortswappen. Die 2 Striche deuten die Eisenbahngeleise der Riedbahn an, die hier früher durchführte. Der Tannenzapfen verweist auf das Gebiet "Tann", in dem der Ortsteil liegt.

Schneppenhausen  ist ebenfalls zum erstenmal erwähnt im Güterbuch des Klosters Eberbach von 1211:

"Alberand von Gerau uns im Tausch eine Wiese in der Nähe von Schneppenhausen gegeben und im Gegenzug von uns eine Wiese, welche Betwiese genannt wird, erhalten."

Rätsel gibt das Symbol im Schneppenhäuser Wappen: Ein verformtes Andreaskreuz? Ein Arbeitsgerät? Oder zwei Arbeitsgeräte wie z. B. ein Winzermesser und ???

Weiterstadt  wird erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 948 erwähnt. Sie legt fest, dass König Otto der Große dem Besitzer Liuthar das Klostergut in Hemsbach bei Weinheim auf Lebenszeit überlässt und dafür dessen Besitz im Dorf "Widerestat" mit allem Zubehör für das Kloster Lorsch erhält.

Seit dem Jahr 1664 ist der Ring auf dem Weiterstädter Gerichtssiegel nachweisbar. Er wird zurückgeführt auf die geistlichen oder weltlichen Würdenträger, die bei den Anfängen der Weiterstädter Geschichte eine Rolle spielten.

Wie viele andere Gemeinden erhielt die am 1. Januar 1977 entstandene

Großgemeinde Weiterstadt ein neues Wappen. Links oben das Braunshardter, daneben das Schneppenhäuser Symbol. Der Gräfenhäuser Hundekopf befindet sich im Ring des alten Weiterstadt.


 






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